Eine klare Positionierung zu demokratischen Werten, starke Mitgliederzahlen, eine beeindruckende Einsatzbilanz und ein Rekord bei den geleisteten Dienststunden – all das erfuhren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Freising am Freitagabend in der Hauptfeuerwache. Den emotionalen Höhepunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung hob sich die Feuerwehrführung aber bis zum Ende auf: sie hatte mit dem Amtsende von OB Tobias Eschenbacher zu tun.
Stadtbrandinspektor Oliver Sturde zog nicht nur Bilanz über das zurückliegende Jahr 2025, sondern auch auf seine erste Amtszeit als Kommandant der Freisinger Wehr. Besonders hob er das Engagement der Einsatzkräfte hervor. In einer Zeit, in der es „Teil der modernen Gesellschaft geworden ist, sich auf andere zu verlassen“ und viele „lieber zum Smartphone greifen, als selbst wirksam zu werden“, sei es keineswegs selbstverständlich, dass sich so viele Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Dienst der Allgemeinheit stellen.
„Auch wenn es oftmals schwer ist, Alltag und Feuerwehr unter einen Hut zu bringen, stellen dennoch 352 Mitglieder ihre Freizeit ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit.“
SBI Oliver Sturde
Derzeit engagieren sich 227 aktiv im Einsatzdienst – darunter rund 14 Prozent Frauen. Besonders erfreulich sei die kontinuierlich hohe Zahl an Übertritten aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst: Jährlich wechseln zwischen neun und zwölf Nachwuchskräfte in die Einsatzmannschaft – ein Verdienst der erfolgreichen und engagierten Arbeit des Jugendwartteams.
Mit insgesamt 557 Einsätzen war das Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr etwas ruhiger, was vor allem auf das Ausbleiben größerer Unwetterlagen und Hochwasserereignisse zurückzuführen ist. Zwei Brandeinsätze forderten die Feuerwehrleute in besonderem Maße: der Großbrand über mehrere Tage in einem Entsorgungsbetrieb im benachbarten Erdinger Landkreis sowie ein ausgedehnter Wohnhausbrand in der Kulischstraße bei heißen Sommertemperaturen.
79 Menschen konnten aus Notlagen gerettet werden. Gleichzeitig blieb die Zahl der Fehlalarme mit 129 Einsätzen weiterhin hoch. Hinzu kamen rund 90 Feuersicherheitswachen, insbesondere im Asamtheater.
Einen neuen Höchststand erreichten die geleisteten Dienststunden: Von den 37.214 Stunden entfielen mehr als 70 Prozent auf Aus- und Fortbildung – ein eindrucksvoller Beleg für die hohe Professionalität und den enormen Ausbildungsaufwand. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Ausbildungsstunden verdoppelt.
Auch infrastrukturell konnten wichtige Fortschritte erzielt werden: Die Sanierung der Atemschutzwerkstatt in der Feuerwache 1 wurde erfolgreich abgeschlossen, bei der Feuerwache 2 sind die Rohbauarbeiten beendet. Zudem konnte vor wenigen Tagen die neue Drehleiter für die Wache 2 ausgeliefert werden. Aktuell laufen intensive Schulungen am neuen Fahrzeug, dessen Indienststellung für Anfang Mai geplant ist.
Abschließend zog Sturde einen persönlichen Vergleich seiner bisherigen Amtszeit mit einer anspruchsvollen Wanderung, die neben Ausdauer auch Geduld erfordere. Beginnend mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie im Jahr 2020, über besondere Ereignisse wie die BR-Radltour, die Inbetriebnahme des Vöttinger Tunnels und mehrere Großbrände bis hin zum großen Festumzug anlässlich des Stadtjubiläums. Er sei wie auch sein Stellvertreter Christian Schäffler bereit, sich einer weiteren Amstzeit zu stellen, so Sturde.
Klares Statement zu demokratischen Grundwerten und Menschenwürde
Ein deutliches Zeichen setzte auch der Vereinsvorsitzende Thilo Kachel mit der Vorstellung eines neuen Leitfadens, der die grundlegenden Werte der Feuerwehr unmissverständlich festschreibt. Darin bekennt sich die Freiwillige Feuerwehr Freising ausdrücklich zu demokratischen Grundwerten, zur Achtung der Menschenwürde sowie zu einem respektvollen und solidarischen Miteinander. Für Diskriminierung oder extremistisches Gedankengut sei in der Feuerwehr kein Platz.

Dies sei auch vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Herausforderungen erfolgt und den gezielten Versuchen extremistischer Strömungen, Vereine und Ehrenamt zu beeinflussen, betonte Kachel.
Tobias Eschenbacher ein letztes Mal als Oberbürgermeister dabei
Mit sehr persönlichen Worten blickte OB Tobias Eschenbacher auf 14 Jahre Amtszeit als „oberster Dienstherr“ der Feuerwehr zurück.
Er zollte „ganz großen Respekt davor, wie professionell ihr aufgestellt seid“. Wenn die Feuerwehr Anforderungen an die Stadtverwaltung stelle, habe das stets „Hand und Fuß“. Auch im Stadtrat wisse man sehr genau, was man an seiner Freiwilligen Feuerwehr hat – nicht nur als Garant für die Sicherheit der Freisinger Bürger, sondern auch als unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Er sei sicher, dass „seine“ Feuerwehr bei seiner Nachfolgerin im Amt in guten Händen ist. Er selbst sei „Fan“ der Feuerwehr geworden und wolle diese Begeisterung auch an seine Kinder weitergeben.
Ehrenmitgliedschaft zum Abschied
Emotional wurde es zum Ende der Versammlung: Vereinsvorsitzender Thilo Kachel schlug im Namen des Vorstands vor, Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Freising zu ernennen. Die anwesenden Mitglieder stimmten diesem Vorschlag einstimmig zu.
In seiner Laudatio würdigte Kommandant Oliver Sturde den scheidenden Oberbürgermeister als verlässlichen Partner und „obersten Feuerwehrmann“, der stets die „richtigen, mutigen oder auch anerkennenden Worte“ gefunden habe. Gleichzeitig habe er sich nie gescheut, auch kritische Themen offen zu diskutieren. In seiner Amtszeit sei vieles erreicht worden. Besonders hob Sturde seine „gelebte Nähe“ zur Feuerwehr hervor.
Sichtlich bewegt nahm Tobias Eschenbacher die Ehrung entgegen. Auch wenn ihm persönliche Auszeichnungen „eigentlich nicht so wichtig“ seien, bedeute ihm diese Ernennung sehr viel und bereite ihm große Freude.



