Aktueller könnte der Anlass kaum sein, schaut man auf die Waldbrandsituation in diversen europäischen Ländern, aber auch in Deutschland. Ein Grund mehr, dass 15 Teilnehmer der Feuerwachen 1 und 2 in Freising im Juli an zwei Abenden eine Fortbildung zur Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden absolvieren, und zwar als Heißausbildung mit kontrolliert gelegten Feuern.
Zum Einstieg gab Johannes Neumair, Kreisbrandmeister und Leiter der Arbeitsgruppe Waldbrand sowie Ausbilder der Fortbildung, einen Überblick über die entscheidenden Faktoren bei solchen Einsätzen: Wetter, Wind und Gelände entscheiden darüber, wie schnell und in welche Richtung sich ein Feuer ausbreitet. Wer das versteht, kann im Ernstfall die richtige Taktik wählen – und genau das stand im Anschluss auf dem Übungsplan.
Windfahnen – klein, aber entscheidend
Ein unscheinbares, aber enorm wichtiges Hilfsmittel bei der Übung waren Windfahnen. Denn kaum ein Faktor beeinflusst einen Vegetationsbrand so stark wie der Wind: Er liefert dem Feuer zusätzlichen Sauerstoff, trocknet das Brennmaterial aus und kann Funken über weite Distanzen tragen. Schon eine kleine Änderung der Windrichtung kann eine Brandfront in völlig neue Richtungen lenken. Windfahnen geben den Einsatzkräften vor Ort jederzeit einen schnellen visuellen Anhaltspunkt, aus welcher Richtung der Wind kommt und ob sich die Lage ändert. Als weitere grobe Faustregel gilt dabei die sogenannte 30-30-30-Regel: Steigt die Temperatur über 30 Grad Celsius, sinkt die Luftfeuchtigkeit unter 30 Prozent und weht der Wind mit mehr als 30 km/h, wächst die Gefahr einer schnellen Ausbreitung eines Vegetationsbrandes erheblich.

Die LACES-Regel: Sicherheit geht vor
Ein zentraler Baustein des Abends war die LACES-Regel, ein international bewährter Sicherheitsstandard aus den USA und Südeuropa, der auch in Deutschland zunehmend Einzug hält. Das Akronym steht für fünf Punkte:
- Lookout – ein Beobachtungsposten, der unabhängig vom Löschtrupp die Wetterlage und mögliche Gefahren im Blick behält
- Anchor Point – ein sicherer Ankerpunkt, von dem aus die Löscharbeiten durchgeführt werden, etwa eine Schotterfläche oder ein bereits abgelöschter Bereich
- Communications – eine ständige Funkverbindung zwischen Trupp und Einsatzleitung, inklusive eines klaren Rückzugssignals
- Escape Routes – vorab festgelegte Fluchtwege, die im Notfall schnell und sicher aus der Gefahrenzone führen
- Safety Zone – eine Sicherheitszone, in die sich die Einsatzkräfte bei plötzlicher Brandausbreitung zurückziehen können
Neumair machte den Teilnehmern klar: Wer diese fünf Punkte vor dem Löschangriff durchdenkt, sorgt dafür, dass die eigene Sicherheit während des Einsatzes gewährleistet bleibt.

Verschiedene Taktiken für verschiedene Lagen
Je nach Geländeform, Windrichtung und Zugänglichkeit der Fläche kommen bei Vegetationsbränden unterschiedliche Löschtaktiken zum Einsatz – etwa der Angriff über eine oder beide Flanken des Brandes, das Vorgehen aus dem bereits abgebrannten Bereich heraus oder der direkte Angriff auf die Feuerfront, wenn Intensität und Geschwindigkeit des Feuers dies zulassen. Welche Taktik die richtige ist, entscheidet die Lage vor Ort und wurde anhand von entsprechend gelegten Feuern verdeutlicht. Zum Löschen griffen die Teilnehmer dabei auf die Ausrüstung spezieller Waldbrand-Rollcontainer zurück: Mit Löschrucksäcken und Feuerpatschen bekämpften sie kleinere Glutnester direkt und flexibel, während spezielle Handwerkzeuge zum Einsatz kamen, um Glutnester freizulegen und kleine Schneisen zu ziehen. So bekamen die Teilnehmer ein Gefühl dafür, wie sich Taktik und Ausrüstung sinnvoll ergänzen.


Warum Waldbrandeinsätze so personalintensiv sind
Wer denkt, ein Vegetationsbrand ließe sich mit wenigen Kräften löschen, irrt. Die Gründe: Vegetationsbrände breiten sich oft über große, unwegsame Flächen aus, erfordern eine ständige Absicherung mehrerer Flanken gleichzeitig. Hinzu kommt kräftezehrende Waldarbeit wie das Anlegen von Brandschneisen mit Handwerkzeugen, oft in Hanglagen und mit zusätzlichem Gewicht durch Schutzausrüstung und Werkzeug, während gleichzeitig die körperliche Belastung durch Hitze und Rauch enorm ist. Nicht zu vergessen, der hohe Bedarf an Wassernachschub und Handarbeit, wenn Löschfahrzeuge das Gelände nicht erreichen können.
Freising ist ausgerüstet für den Ernstfall
Seit einigen Jahren verfügen die Feuerwehren im Landkreis Freising über acht Waldbrand-Rollcontainer, die über das gesamte Kreisgebiet verteilt stationiert sind – unter anderem auch in der Hauptfeuerwache Freising. An Bord sind neben den Löschrucksäcken auch spezielle Waldbrand-Werkzeuge, die seit Jahren weltweit im Waldbrandeinsatz bewährt sind.
Zwar blieb Freising bislang von großen Waldbränden verschont – dank Fortbildungen wie dieser sind die Einsatzkräfte trotzdem auf alle Fälle vorbereitet.


Wichtig zu wissen!
Über 90 Prozent aller Waldbrände gehen auf menschliches Fehlverhalten zurück.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt dazu folgende offizielle Verhaltenshinweise:
- Nicht im Wald oder in Waldnähe rauchen und keine Zigarettenreste wegwerfen – auch nicht während der Autofahrt.
- Kein Grillen und kein offenes Feuer im Wald oder in Waldnähe, außer an ausdrücklich ausgewiesenen Plätzen.
- Fahrzeuge nur auf ausgewiesenen Parkflächen abstellen – ein heißer Katalysator kann trockenen Untergrund entzünden.
- Waldwege und Zufahrten für Feuerwehr und Forstfahrzeuge stets freihalten.
Bei einem Brand oder einer verdächtigen Rauchentwicklung bitte die 112 wählen und dabei möglichst eine genaue Ortsangabe oder einen ausgewiesenen Rettungspunkt nennen.

