Szenarien am laufenden Band
Fünfter Übungstag von Feuerwehr und Rettungsdienst
18.10.2009
(ms/uk) -
Viel Arbeit gab es beim 5. Gemeinsamen Übungstag von Feuerwehr und Rettungsdienst für die beteiligten Organisationen. Der vom Freisinger Stadtbrandmeister Oliver Sturde vorbereitete und koordinierte Übungstag hatte mehrere realitätsnahe Szenarien aus dem Bereich technische Hilfeleistung und Brandeinsatz im Programm. Lediglich das nasskalte Wetter spielte nicht so recht mit.
Ziel des Gemeinsamen Übungstages ist es, die Zusammenarbeit und Koordination zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst, insbesondere aus medizinischer Sicht zu optimieren und laufend weiter zu entwickeln. An den insgesamt fünf Übungsszenarien beteiligten sich alle der über 90 Teilnehmer von Feuerwehr Freising, dem BRK, den Johannitern, den Maltesern sowie dem KIT.
Hier die Übungseinsätze in einer kurzen Übersicht:
1. Verkehrsunfall mit Klein-LKW (Gefahrguteinsatz)Bei der angenommenen Lage wurde ein Gebinde mit Ammoniaklösung 25 % beschädigt. Der Fahrer des LKW zog sich beim Versuch das Leck selbst abzudichten, Verätzungen an Händen und Gesicht zu. Eine zweite verletzte Person befand sich in dem ebenfalls am Unfall beteiligten PKW. Sowohl die Rettung der beiden verletzten Personen als auch das auslaufende Gefahrgut stellten die Herausforderungen für Rettungsdienst und Feuerwehr dar.
2. Person auf Baugerüst erkranktAngenommen wurde eine Herz-Kreislaufschwäche eines Arbeiters auf einem Baugerüst. Die Versorgung des Patienten durch den Rettungsdienst konnte erst nach Eintreffen der Feuerwehr stabil erfolgen (Zugang über Steckleitern). Neben der Patientenversorgung waren die Eigensicherung der Einsatzkräfte (kleine Bewegungsfläche für die Hilfskräfte) und die Rettung des Patienten über die Drehleiter mittels Krankentragenhalterung (Zugang für die DLK durch bauliche Hindernisse erschwert) die Einsatzschwerpunkte.
3. Brand in einem WohnheimBeim Brand in einem Wohnheim waren mehrere Personen bei starker Rauchentwicklung im Gebäude eingeschlossen. Die Schwierigkeit bestand unter anderem darin, dass zu dem Gebäude nur ein Zugang bestand. Mehrere Atemschutztrupps suchten das Gebäude systematisch ab (Markierungen) und konnten die –realistisch geschminkten- Personen nach und nach aus dem Gebäude retten. Die verletzten Personen wurden vom Rettungsdienst übernommen und medizinisch versorgt. Völlig unerwartet wurde für die eingesetzten Kräfte ein Atemschutznotfall eingespielt, bei dem ein Truppmann im Zugangsbereich des Gebäudes zusammenbrach und sich der zweite Truppmann noch im Gebäude befand. Die Reaktion der Einsatzkräfte auf diese ungewöhnliche Notfallsituation war erstaunlich konzentriert. Schon nach wenigen Minuten konnte auch der zweite Kamerad dem Rettungsdienst übergeben werden.
4. Verkehrsunfall mit FahrradEin Bub zog sich bei einem Fahrrad-Auffahrunfall auf einen mit Baustahlmatten beladenen Anhänger eine Pfählungsverletzung im rechten Oberarm zu. Die sehr realistische Darstellung der Verletzung machte eine behutsame und patientenorientierte Durchtrennung des Baustahlgewebes am Arm des Buben notwendig. Während die Kräfte des Rettungsdienstes den Buben medizinisch stabilisierten und die aufgeregte Mutter beruhigten, trennen die Feuerwehrkräfte unter Einsatz eines Trennschleifers die Stahlmatten durch.
5. Stadtbus rammt PKWEine Großschadenslage mit insgesamt elf Verletzten und einer getöteten Person bildete den Abschluss des Übungstages. Rund zwei Stunden waren die Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst an dieser Einsatzlage beschäftigt. Angenommen war, dass ein außer Kontrolle geratener Stadtbus einen PKW seitlich gerammt und umgestürzt hatte. Der PKW wurde durch den Bus an eine Mauer geschoben und die beiden Insassen eingeklemmt. In dem Bus wurden mehrere Personen sowie der Fahrer teilweise schwer verletzt. Einsatzschwerpunkt war neben der Rettung und der medizinischen Versorgung der Businsassen die Befreiung der im PKW eingeklemmten Personen. Dazu wurde der Bus mittels Seilwinde zurückgezogen. Erst dann konnte der PKW, in dem sich noch eine verletzte Person und Rettungspersonal befanden, vorsichtig umgelegt werden.
Fazit des Übungstages: Alle beteiligten Kräfte waren sich darüber einig, dass der Gemeinsame Übungstag wieder eine hervorragende Möglichkeit war, auch komplexe und schwierige Einsatzsituationen gemeinsam unter höchst realistischen Bedingungen zu üben. Der Übungstag endete wie immer mit einem gemeinsamen Abendessen in der Freisinger Hauptfeuerwache.
Text: Ullrich Kachel Fotos: Matthias Spanrad
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