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80 Jahre und sehr rüstig

Freisinger Feuerwehr-Fahrzeugveteran "Liesl" feiert 80. Geburtstag

28.08.2007 (uk) -

„Es ist ein Feuerlöschgerät, mit dem die Feuerwehr Freising den höchsten Anforderungen gerecht werden und damit die denkbar größten Schwierigkeiten leicht überwinden kann“. So berichtete das Freisinger Tagblatt in seiner Ausgabe vom 28. August 1927 über die für Freising neuangeschaffte „benzin-automobile Magirus-Motorspritze Modell Bayern“. Tags darauf, am 29. August 1927 wurde die „Liesl“, wie dieses Fahrzeug heute liebevoll genannt wird, anläßlich des sogenannten Feuerwehr-Opfertages 1927 feierlich übergeben. Damit feiert die „Liesl“ in diesen Tagen gewissermaßen bei „bester Gesundheit“ ihren 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Erste Motorspritze für die Stadt Freising


Endlich hatte damit auch die Stadt Freising selbst ein automobiles Löschfahrzeug; denn die „Liesl“ war nicht das erste ihrer Art innerhalb der Stadtgrenzen: die Fabrikfeuerwehr der Firma Schlüter schaffte bereits im Jahr 1923 ein ähnliches Fahrzeug für ihr Werk an.

Dennoch war die „Liesl“ als Motorspritze damals wohl eine Sensation schlechthin. Fahrzeuge bei Feuerwehren waren selten und man stelle sich vor, die Freisinger Motorspritze war das einzige Feuerwehrfahrzeug dieser Art im ganzen Landkreis. Folglich rückte sie deshalb in den kommenden Jahren viele Male „Überland“ zur Brandbekämpfung aus.

Erster Einsatz an Silvester 1927


Der erste Einsatz nach der Indienststellung wurde im damals geführten Brandbuch der Freisinger Feuerwehr kurz und knapp vermerkt: „31.12.1927, Brand in Pallhausen, nachts ½ 10 Uhr, ausgerückt auch Motorspritze (Motorspritze zum erstenmal ausgerückt)“.

Technisch bald im Rückstand


So erfolgreich und unangefochten die „Liesl“ als Motorspritze in den ersten Jahren wohl war, so rasant nahm die Entwicklung der Technik in den dreißiger Jahren zu und machte der „Liesl“ schwer zu schaffen. Sie geriet technisch mehr und mehr in den Rückstand. Vollgummireifen und ein offenes Verdeck waren eben nicht mehr Standard. Die Feuerlöschtechnik wurde eilends den zweifelhaften und verwerflichen Zielen des Dritten Reiches „angepasst“ und auf die zu erwartenden schrecklichen Kriegseinsätze hingetrimmt. Große Löschfahrzeuge, mit geschlossenem Verdeck auf LKW-Fahrgestellen wurden bis Kriegsbeginn auch in Freising stationiert.

Kriegseinsätze für die „Liesl“


Dennoch hatte die „Liesl“ auch Kriegseinsätze zu leisten. Zusammen mit der 1939 an die Freisinger Feuerwehr übergebenen Drehleiter DL 27 (ebenfalls noch im Bestand der Feuerwehr-Oldtimer) und weiterer nicht mehr vorhandener Fahrzeuge war die „Liesl“ bei einigen der 42 schweren Brandeinsätze nach Bombardierungen in München dabei. Auch am 18. April 1945, kurz vor Kriegsende, war die Feuerwehr auch mit der „Liesl“ nach der schrecklichen Bombardierung Freisings im Einsatz. 250 Todesopfer waren damals zu beklagen.

Nach 1945 kaum noch Verwendung


Nach dem Krieg war auch die Zeit der „Liesl“ abgelaufen. Sie war technisch veraltet und kam kaum mehr zum Einsatz. Die Löschfahrzeuge, die während der Kriegszeit nach Freising kamen, ersetzten sie vollends. Spätestens aber 1957, als das erste hochmoderne Tanklöschfahrzeug (ebenfalls noch im Oldtimer-Fahrzeugbestand) nach dem Krieg in Freising neu beschafft wurde, war ihr Schicksal besiegelt.

Nach einer Odyssee mit Standorten unter anderem in Neustift und langen Jahren im Stadel des Heiliggeistspitals wurde die „Liesl“ schließlich im Jahr von Grund auf renoviert. Die Verantwortlichen der Freisinger Feuerwehr hatten sich darauf verständigt, dieses historische Feuerwehrfahrzeug zu erhalten und den Unterhalt über den Feuerwehrverein zu leisten. Eine unermüdliche Gruppe von Feuerwehrkameraden hat sich seit Jahren zusammengefunden und kümmert sich liebevoll um die Feuerwehr-Oldtimer-Fahrzeuge.

Attraktion bei Veranstaltungen und eigene Oldtimergruppe


Heute ist die „Liesl“ die Attraktion bei vielen Veranstaltungen und Festen, vor allem aber bei Oldtimertreffen. Dank ihres hervorragenden Zustandes findet sie die Bewunderung auch von Nicht-Feuerwehrlern. Das kommt nicht von ungefähr: seit Jahren hat sich innerhalb des Feuerwehrvereins eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich liebevoll um die alten Fahrzeuge kümmert. Vor rund sieben Jahren wurde dazu in der Feuerwache 2 in Eigenarbeit ein eigener Anbau erstellt, wo die „Liesl“ und die DL 27 nur ihren Altersruhestand genießen können.

Zuletzt war die „Liesl“ im Juli 2007 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Münchener Feuerwehr bei der, nach eigenen Angaben größten Feuerwehrfahrzeugparade Europas mit dabei. Eigens eingeladen wurde die Liesl auch zur Einweihung des neuen Brandschutz-werkes der Firma Magirus in Ulm, ebenfalls im Juli 2007.

Historische Übung anlässlich des 80sten geplant


Das Geburtstagskind soll natürlich auch für die Bevölkerung zu sehen sein. Ein besonders Schmankerl hat sich die Feuerwehr dabei für den Oktober ausgedacht. Wenn alles klappt, dann soll am Sonntag, den 14. Oktober 2007 im Rahmen der Autoausstellung in der Luitpoldanlage eine Historische Brandeinsatzübung mit der „Liesl“ vorgeführt werden. Dieses einmalige Spektakel sollte sich dann niemand entgehen lassen.

Unterstützung für die ehrenamtliche Tätigkeit


Wenn Sie die Arbeit der ehrenamtlichen Feuerwehrleute und den Erhalt der historischen Fahrzeuge und Geräte unterstützen wollen, freut sich die Freiwillige Feuerwehr Freising auf ihre Spende. Selbstverständlich kann eine Zuwendungsbestätigung (Spendenquittung) auf Wunsch ausgestellt werden. Freiwillige Feuerwehr Freising -Verein-, Konto 10504 Sparkasse Freising BLZ 700 510 03.

Oder werden Sie Förderndes Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Freising mit einem Jahresbeitrag von 15,00 €.

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